Die Giechburg, ein Wahrzeichen des Bamberger Landes
Von einem steil aufragenden Felskegel der Fränkischen Alb über den Städtchen Scheßlitz schaut die Giechburg weit hinaus in den Bamberger Talkessel. Wohl kaum ein Berg und seine bekrönende Burg sind im Umland so bekannt wie die Giechburg. Eng verbunden sind deren Geschicke mit dem Wachsen und Werden des Landes und seiner Menschen über weit mehr als ein Jahrtausend.

Frühe Geschichte des Berges
Auf vielen Bergkuppen am Steilabfall des Juras befanden sich erste Sammelplätze gemeinschaftlichen menschlichen Lebens in unserer Gegend. Die bekanntesten Beispiele sind das Walberla bei Forchheim und der Staffelberg am Obermain. Auch auf dem Giechberg ist eine frühe Besiedlung anzunehmen. Nur ist wenig bekannt aus der ersten Begehungs- und Besiedlungszeit dieses Platzes.
In der Karolingerzeit gehörte unser Land zum Radenzgau. Diese politische und wirtschaftliche Einteilung ist für die weitere Entwicklung von hoher Bedeutung geworden. Die Königshöfe Hallstadt und Königsfeld waren in dieser Gegend die beiden wichtigsten Orte. Dabei wird der zwischen beiden liegende altbesiedelte Platz über der jungen Siedlung Scheßlitz zu einem strategisch wichtigen Ort.
Am Anfang des 10. Jahrhunderts war ein Machtkampf zwischen den Konradinern und Babenbergern um das östliche Franken entbrannt; diese Babenberger Fehde endete 906 mit der Enthauptung Adalberts von Babenberg in Theres am Main. Damit tritt das nahe gelegene Bamberg für einen kurzen Augenblick in das Licht der Geschichte. Die kaiserliche Schenkung von 973 und die Gründung des Bistums Bamberg 1007 sind nachwirkende Folgen. Die Giechburg wird davon nicht unmittelbar betroffen. Aber das neue kirchliche und politische Zentrum Bamberg, verwurzelt in den geographischen und wirtschaftlichen Grenzen des alten Radenzgaues, sieht sich bald auch mit der nahe gelegenen Giechburg konfrontiert.

Aus der Geschichte der Giechburg
Nicht eindeutig ist die Herkunft des Namens zu klären. Wohl eine alte Bezeichnung der Bergkuppe und nicht ein dort ansässig gewordenes Geschlecht werden namengebend gewesen sein. Als in Bamberg einer der großen und für das Reich, die Stadt und das Bistum wohl bedeutsamsten Bischöfe, nämlich Otto I., der Heilige (1102 - 1139) regierte, begegnet uns der Berg zum ersten Mal in geschichtlichen Dokumenten. Ein Graf Wilhelm von Giech ist unter einer Urkunde des Bischofs vom 4. Mai 1125 als Zeuge verzeichnet. Damit und seitdem haben der Berg und seine Burg den Namen, der ihnen bis heute verblieben ist. Mit dieser Urkunde erscheint die Giechburg endgültig im Bannkreis des Bamberger Bistums.
Wir wissen nicht wer der erste Bauherr gewesen ist. Aber die ausgeprägte "Sporenlage" der Bergkuppe bot sich naturgemäß für die Errichtung einer idealen Höhenburg (mit Vor- und Hauptburg) an. Von der bischöflichen Haupt- und Residenzstadt aus konnte man sie zwar bei schönem Wetter sehen, aber sie hatte noch "fremde" Herren: Sie gehörte zu den weit ausgedehnten Besitzungen der Schweinfurter Grafen, kommt über den Weg der Vererbung mit den bedeutendsten Geschlechtern des östlichen Frankens in Berührung. Die Grafen von Andechs, die vor allem am Obermain und auf dem Jura (z.B. um Bayreuth, Kulmbach, Lichtenfels u.a.) ein Machtzentrum aufbauen wollten , konnten ihren Einfluss auf den Giechberg als vorgeschobenen Posten gegen Bamberg geltend machen. Die uralte strategische Bedeutung des Berges war nunmehr zum machtpolitischen Faktor für Bambergs Bischöfe geworden. Aber erst nach dem Aussterben der Andechs - Meranier (1248) konnten die Bischöfe über die Burg verfügen; endgültig ging sie 1390 in den Besitz des Hochstifts Bamberg. Nun war die Giechburg 400 Jahre lang ein fester Platz der Bamberger Bischöfe. Was heute an Mauern, Toren und Türmen verfallen oder noch bewohnbar vor uns steht, ist bischöflicher Herkunft.
In alle schicksalhaften Geschehnisse, in alle kriegerischen Auseinandersetzungen war die mittelalterliche Giechburg mitverwickelt. So wird sie 1430 beim Hussiteneinfall in Brand gesetzt. Fürstbischof Anton von Rotenhan (1431 - 1459) hatte danach um 1450 die Befestigungsanlage nach modernsten Gesichtpunkten aufführen lassen. Der Zugang zur Burg, ursprünglich über den Bergsporn von Osten her, wurde an die Westseite verlegt, gesichert durch mehrere Tore. Aber beim Bauernaufstand 1525 konnten diese Mauern und Tore nicht hindern, dass erneut in der Burg Brand gelegt wurde. Schwer waren die Bedrängnisse vor allem des Bamberger Hochstiftes, als wenige Jahrzehnte später Markgraf Albrecht Alcibiades in das Land einfiel (Markgrafenkrieg). Dabei wurde auch die Giechburg zerstört (1553).

Ein großer Gönner der Burg wurde schließlich der Bamberger Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel (1599 - 1609). Er ließ im Süden des Hochstiftes die alte Festung Forchheim modernisieren, auch auf der Giechburg wurden gleichzeitig alle Befestigungsanlagen verstärkt. Während des 30-jährigen Krieges, im Juli 1633, zeigte sich, dass dieser Ausbau sich gelohnt hatte. Denn die Schweden konnten weder die Giechburg noch Forchheim einnehmen. Später blieben ihre Mauern und Türme von weiteren militärischen Attacken verschont. Die Giechburg wurde als Festung nicht mehr gebraucht. Bischof Gebsattel hatte bis auf den mittelalterlichen Bergfried auch alle Gebäude neu aufführen lassen. Aus der mittelalterlichen Wehrburg wurde unter seiner Leitung eine große nachmittelalterliche Wohnburg. Rechtwinkelig zugeordnet entsteht vom Burgfried bis zur Westfront ein großer Renaissancepalast; durch zahlreiche Fensterachsen und durch Erker und Treppenturm ist er gegliedert und erschlossen. Heute ist er Ruine.
Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683 - 1693) hat schließlich, fast 100 Jahre später, noch einmal mit einen großen Bau begonnen. Er wollte im Anschluss an den Westflügel einen großen barocken Kavaliersbau im Süden aufführen. Aber der Erbauer des Seehofschlosses konnte seine Pläne nicht vollenden. Er starb während des Baues.
Damit war die Glanzzeit der Giechburg zu Ende. Zwar wurde gelegentlich während des 18. Jahrhunderts an den Befestigungsanlagen verbessert, es wurden auch noch die notwendigen Bauunterhaltsmaßnahmen vorgenommen. In den Akten aber wird Burg Giech schließlich nur noch als Jägerswohnung bezeichnet. In einem Gutachten der fürstbischöflichen Hofkammer von 1785 wird die Burg als "alte Bergfeste mit drei Toren, ordentlicher Fortifikation, bedachten runden Türmen..." beschrieben, die in ihren Bestand als ein "Denkmal des Altertums" erhalten bleiben sollte.
Mit allen Besitzungen des Bamberger Hochstifts (Bamberger Staates) ging im Jahr 1802 / 03 auch die Giechburg in den Besitz des Kurfürstentums Bayern über. Der im Frankenland als "Landes - Einreismeister" unrühmlich bekannt gewordene Landesbaumeister und Bauinspektoren Baron von Hohenhausen setzte auch der stolzen Giechburg ein Ende. Er ließ die Dächer mehrerer Gebäude und Türme abdecken, um dem Verfall Tür und Tor zu öffnen. Durch glückliche Fügung ist ihm beim Kloster Banz und einigen Bamberger Stiften und Klöstern nicht gelungen, was er bei der Giechburg, aber auch hier nicht vollständig, fertig gebracht hat, nämlich eine "malerische Ruine" zu schaffen.
Im Jahre 1819 kaufte schließlich Graf Hermann von Giech auf Thurnau die Burg. Es war mehr ein Akt der Pietät denn des praktischen Nutzens. Denn dieser Burg verdankte sein Geschlecht einen einst ruhmreichen Namen. Über ein Jahrhundert lang war die Burg nun wieder in Besitz der Grafen von Giech. Aber alle Versuche, sie wieder herzustellen schlugen fehl.
Im Jahre 1932 kam sie schließlich in privaten Besitz.
Neues Leben auf der Giechburg
Das Jahr 1971 aber brachte doch eine Wende. Der Landkreis Bamberg konnte die Burg und einen Teil der benachbarten Grundstücke erwerben. Unermüdlich setzte sich Landrat Otto Neukum beim Kauf, bei der bald darauf geplanten und Zug um Zug durchgeführten Erneuerung ein. Sein Ziel lautete: Die Giechburg muss mit neuem Leben erfüllt werden! (Revitalisierung)
Gründlich und mit viel Feingefühl und Sorgfalt wurde nun der Westbau wieder hergestellt. Fast 850 Jahre nach der ersten urkundlichen Nennung, nach einer stolzen Geschichte und einer Zeit traurigen Siechtums, hat die Giechburg einen bedeutsamen Schritt nicht nur zum Überleben, sondern zu einer neuen Zukunft gemacht.
Quelle: "Die Giechburg, ein Wahrzeichen des Bamberger Landes" von Kreisheimatpfleger Dr. Bruno Neundorfer




