Der Gügel
Schon sehr früh haben sich die Menschen auf diesem steilen Berg aufgehalten. Es gab Funde aus der Bronzezeit die in das 17. Jahrhundert vor Christus zurück zuführen sind. Als zu Anfang des 12. Jahrhunderts nach Christus die Giechburg gebaut wurde, hat man vermutlich auch die Burg Gügel errichtet.
Im Giechburgvertrag von 1143 hat sich Bischof Egilbert die alte Giechburg und das alte Haus des Bischofs vorbehalten. Das alte Haus des Bischofs war die Burg Gügel. Sie war also nicht nur eine Signalstation, sondern eine Burg mit einer Kapelle, wie es sich für einen Bischof geziemt. Die Reste dieser einzigen Burgkapelle, die Sakristei und die spindelartige Wendeltreppe, sind noch heute als integrierte Bestandteile der Gügelkapelle vorhanden.

Bei der Verteilung der Meranischen Erbschaft wurden dem Bischof von Bamberg zwar Eigentum und Lehensherrlichkeit an der Grafschaft Giech zugesprochen, doch erhielt im Jahre 1260 Graf Friderich von Truhendingen die Giechburg mit dem Gügel, dazu die Stadt Scheßlitz samt Gericht und Vogtei zu Lehen. Damit waren die Bischöfe zu Bamberg nicht mehr die unmittelbaren Herren von Giech und Gügel.
Mit dem Vermögensverfall der Grafen von Truhendingen ging auch ein allmählicher Verfall der Burg Gügel einher. Im Jahre 1390 gelang es dem Fürstbischof Lampert von Brunn, den gesamten oberfränkischen Besitz der Grafen von Truhendingen mit Giech, Gügel und Scheßlitz für das Bistum zu erwerben.
Die Fürstbischöfe von Bamberg benutzten den Gügel oder das, was vom Zahn der Zeit noch übrig geblieben war, nun nicht mehr als Veste, sondern als Kapelle. Bischof Lampert von Brunn (1374 - 1399) Nachfolger, Bischof Albrecht Graf von Wertheim (1399 - 1421), hat die marode Bausubstanz der Burgkapelle auf dem Gügel erhalten. Den 4. Juni 1416 bekundet er, dass in seiner Veste Gügel, im Bezirke der Pfarrkirche der Stadt Schechslitz gelegen, eine Kapelle zur Ehre Gottes und des h. Martyrers Pankratius erbaut und ein eigener Priester für diese Kapelle eingesetzt ist.
Während des Hussiteneinfalls im Jahre 1430, wurden auch Giech und Gügel Ende Januar abgebrannt. Doch schon im Jahre 1439 wurde die so genannte "Neue Kapelle" auf dem Gügel unter Fürstbischof Anton von Rotenhan (1432 - 1459) wiederhergestellt und nach Norden erweitert.
Vom Bauernkrieg 1525 und vom Zweiten Markgräflerkrieg 1552 des gewalttätigen Albrecht Alcibiades blieb der Gügel verschont. Während in beiden Kriegen die Giechburg schwer heimgesucht wurde, war der Gügel im Waldversteck sicherer. Deshalb verbrachte man zu Begin des Bauernkrieges einen Teil des Domschatzes auf den Gügel, wo er bis zum Jahre 1528 verborgen blieb und dann unversehrt zurück gebracht werden konnte.
Im Jahre 1602 war der Gügel auf seiner luftigen Höhe durch Witterungseinflüsse so baufällig geworden, dass Fürstbischof Gottfried von Aschhausen (1609 - 1622) die Wallfahrtskapelle Gügel teilweise abtragen und durch den Würzburger Baumeister Augustin Lazarus ab 1610 neu aufbauen ließ. Der Chor der Kirche wurde ganz neu aufgeführt.
Betritt man die Kirche von dem heutigen Wirtshaus aus, gelangt man in eine Tuffsteingrotte. Steigt man die Wendeltreppe hinaus, kommt man in einen dunklen Gang. Rechts in einer Nische liegt ergreifend Christus begraben. Ist der Gang tastend durchschritten, so kommt man nach einem Aufstieg über ein paar Stufen aus dem Dunkeln plötzlich in die vom Tageslicht durchflutete Kirche. Unmittelbar rechts ist der Eingang zur Sakristei der alten Kapelle. Auch das Innere der Kapelle hat Bischof Gottfried damals neu ausgestattet. Der Bildhauer Michael Kern schuf die Statuen der 14 Nothelfer aus Alabaster, wohl die wertvollste Ausstattung des Gügel. Das Chorgestühl trägt die Inschrift: Michael Gros Pfersfelder genannt Thum Her Senior und Custos zu Bamberg. Pfersfelder wurde 1608 Pfarrer zu Scheßlitz. Die größere der zwei Glocken des Gügels trägt am oberen Rande die Aufschrift: Soli Deo gloria. S.Sebastiane ora pro nobis. Andreas Limmer goß mich zu Cronach im Jahr Christi 1648. Um 1700 blühte die Wallfahrt auf den Gügel. Dort wurden Märkte abgehalten, und Eremiten versahen die Kirchnersdienste. Im Jahre 1742 wurde in die Kapelle ein Meßkelch gestiftet mit der Eingravierung: Zu Ehren des Heyligen Pangracy auff dem Gügel hatt diesen Kelch verschafft Joannes Friderich Bonalino Steuer Einnehmer und Burger Meister zu Scheslitz 1742. Dieser Meßkelch findet sich noch in der Sakristei des Gügels. 1832 wurde aus dem Bamberger Dom die neue "schöne Kanzel", welche 900 Gulden kostete, in der Kirche aufgestellt. Auch die holzgeschnitzte Emporwand stammt wahrscheinlich vom Bamberger Dom.
Quelle: Die alte Geschichte von Scheßlitz von Dr. Karl Heinz Mayer




